Bei Vermischungsschäden sind nicht immer die Tankwagenfahrer schuld

Wenn aus der Zapfsäule ein Gemisch aus Superbenzin und Diesel kommt, gerät fast immer zuerst der Tankwagenfahrer unter Verdacht, die Tanks bei der Belieferung verwechselt oder mangelhafte Qualität geliefert zu haben. Doch nicht immer trägt der Kraftstoff-Lieferant die Schuld an einem Vermischungsschaden, wie ein aktueller Schadenfall beim Spezialversicherer KRAVAG zeigt.

Nachdem der Fahrer eines Mineralölspediteurs mehrere tausend Liter Diesel und Superkraftstoff an einen Automobillogistiker geliefert hatte, traten Probleme bei Neufahrzeugen auf, die wie üblich vor der Auslieferung an die Kunden betankt worden waren. „Motoren stotterten und aus den Auspuffrohren drangen dicke Qualmwolken. Ein Porsche fing sogar Feuer an der Auspuffanlage, als er nach der Betankung zur Reinigung in die Waschstraße fuhr“, erzählt Gerd Henge, Experte bei der KRAVAG Umweltschutz und Sicherheitstechnik (KUSS) GmbH.

450 Fahrzeuge mit Super-Diesel-Gemisch betankt

Als der Mineralölspediteur über die Notfalltelefonnummer die KUSS alarmierte, befürchtete Henge einen Großschaden mit weitreichenden Folgen: „Rund 450 Fahrzeuge mit dem verhängnisvollen Gemisch aus Diesel und Benzin waren bereits unterwegs zu Händlern oder Endkunden in ganz Europa.“ Fakt ist: Im Falle einer Falschbetankung hätte jedes Fahrzeug überprüft werden müssen. „Im Zweifel ist eine Reinigung der Tankbehälter und Leitungen notwendig oder sogar ein Austausch der Motor- und Einspritzanlage. Wenn dadurch auch noch Lieferfristen überschritten werden, kommen weitere Forderungen hinzu.“

Doch zuerst galt es, der Schadenursache auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich entlastete die sofort eingeleitete Untersuchung den KRAVAG-Kunden. Denn als unter Aufsicht des Gutachters der unterirdische Doppelkammer-Tank im Auftrag von KUSS entleert und gereinigt wurde, kam die wahre Ursache für den Vermischungsschaden ans Licht: Korrosion hatte Löcher in die Trennwand zwischen den beiden Tankkammern gefressen, so dass Diesel in das Superbenzin sickerte. „Da Diesel eine größere Dichte als Benzin hat, sinkt er auf den Boden der Tankkammer. Dort erhöhte sich die Konzentration dann mit der Zeit und erreichte schließlich einen für die Fahrzeuge kritischen Punkt. Das erklärt auch, weshalb der Schaden erst einige Tage nach der Lieferung auffiel“, so Henge.

Schadenfälle könne die Geschäftsbeziehung belasten

Dem Mineralölspediteur fiel nach den Untersuchungsergebnissen ein Stein vom Herzen. „Ein solcher Schadenfall kostet nicht nur Zeit und Geld. Er kann das Vertrauensverhältnis zwischen den Geschäftspartnern empfindlich stören“, weiß der Experte der KUSS. „Im schlimmsten Fall verliert der Verursacher sogar einen großen Auftraggeber. Das spricht sich dann auch in der Branche herum und kann das Image eines Unternehmens erheblich beschädigen.“ Doch so hieß es für den Spediteur: Ende gut, alles gut. Und auch der Automobillogistiker profitierte vom Engagement der KUSS. Dank des schnellen Einsatzes des Dienstleisters von KRAVAG und R+V konnte er zeitnah oberirdische Superkraftstoff-Tanks anmieten und so die Auslieferung der dringend erwarteten Neufahrzeuge rasch fortsetzen.

Quelle: R+V Versicherung AG