Bußgeld erhalten? So können Sie sich wehren

Wenn Sie mit 150 Sachen auf der Landstraße in die Radarfalle rasen, ist die Sache ziemlich eindeutig. Doch oft genug sind Bußgeldbescheide fehlerhaft. Dagegen können Sie sich wehren.

Bußgelder garantieren Milliardeneinkünfte

Deutsche Städte und Gemeinden sind nicht zimperlich beim Eintreiben von Bußgeldern: Bedeuten diese doch in der Regel einen warmen Geldregen für klamme kommunale Kassen. Alleine die Stadt Frankfurt nimmt innerhalb eines Jahres gut 17 Millionen Euro von Verkehrssündern aller Art ein. Die Bandbreite reicht dabei von abgelaufenen Parkscheiben über das Fahren mit Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen bis zu Klassikern wie der Geschwindigkeitsüberschreitung und dem Ignorieren einer roten Ampel. Während das berühmte Knöllchen für die überschrittene Parkzeit von den meisten Autofahrern meist noch problemlos verschmerzt wird, kann ein hohes Bußgeld oft schon zur finanziellen Schieflage führen. Ein ein- oder mehrmonatiges Fahrverbot kann sogar existenzbedrohend sein, wenn der Fahrzeughalter beruflich auf das Auto angewiesen ist. Doch Autobesitzer sind nicht wehrlos.

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Fast jeder zweite Bußgeldbescheid ist fehlerhaft

Haben Sie ein Bußgeld erhalten? Wenn Sie sich genau erinnern, dass Sie mit 130 km/h unterwegs waren, obwohl der Autobahnabschnitt mehrmals mit 100-Warnschildern gepflastert war, können Sie nichts tun. Wenn Sie jedoch sicher sind, dass Sie mit akzeptabler Geschwindigkeit unterwegs waren, sollten Sie den Bescheid gründlich überprüfen und eventuell anfechten: Längst hat sich herausgestellt, dass fast jeder zweite Bußgeldbescheid fehlerhaft ist. Oft handelt es sich dabei um gravierende Fehler von Seiten der Kommunen: Die Stadt Köln verschickte beispielsweise sagenhafte 400.000 Knöllchen aufgrund einer angeblichen Geschwindigkeitsüberschreitung im Baustellenbereich auf der A3: Der Blitzer war von erlaubten 60km/h ausgegangen, obwohl tatsächlich 80 km/h erlaubt waren. Dazu kommen fehlerhafte Messungen der eingesetzten Radarfallen. Dies ist gerade bei mobilen “Blitzern” häufig der Fall. Die Chancen stehen gut, dass ein Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid Erfolg hat. Betroffene Autofahrer sparen dadurch oft nicht nur viel Geld, sondern entkommen auch den gefürchteten Punkten in Flensburg.

Auch Formfehler machen Bußgeldbescheide nichtig

Doch auch wenn tatsächlich ein Vergehen vorliegt, gibt es häufig noch Rettung für den betroffenen Autofahrer: So muss der Fahrer im Foto des Bußgeldbescheids eindeutig erkennbar sein. Auch fehlende Standardinformationen wie die eindeutige Tatzeit und der eindeutig bestimmbare Tatort (wenn z.B. angeblich eine rote Ampel überfahren wurde und der Bescheid nicht eindeutig definiert, welche Ampel an einer Kreuzung mit mehreren Ampelanlagen überfahren wurde) können einen Bescheid unwirksam machen. Daher lohnt es sich immer, den erhaltenen Bußgeldbescheid überprüfen zu lassen.